Bis auf den letzten Platz gefüllt war die Karolinenkirche, als Regionalbischof Thomas Prieto Peral gemeinsam mit Prof. Dr. Bruno Leibundgut und Prof. Dr. Thomas Hamacher der Frage nachging, wie Urknall und Schöpfung zusammenpassen können. Moderiert und organisiert wurde die lebhafte Podiumsdiskussion von Vikar Maximilian von Seckendorff und dem Umweltteam der Evangelischen Kirchengemeinde, in Kooperation mit der ACK Rosenheim und der Dietrich-Bonhoeffer-Akademie.
In einem einführenden Impuls veranschaulichte der Astrophysiker Prof. Dr. Bruno Leibundgut (TUM) eindrucksvoll die Dimensionen des Universums: Würde man die 13,8 Milliarden Jahre seiner Entstehung auf ein Jahr verdichten, erschienen die Dinosaurier erst am 24. Dezember – und der erste Mensch lediglich sechs Minuten vor Mitternacht an Silvester. „Wir sind ein ganz kleiner Teil des Universums“, so Leibundgut.
Anschließend stellte Regionalbischof Prieto Peral die Frage, wie der Mensch auf diesem kleinen Planeten Sinn finden kann. Aus religiöser Perspektive gebe das sogenannte anthropische Prinzip darauf eine klare Antwort: Die Welt sei darauf ausgerichtet, Leben hervorzubringen, das sich selbst – den Geist des Universums – erkennt. Religion blicke vom Menschen auf die Welt und spreche ihm zu: „Du bist gewollt, du bist in diesem eiskalten Universum getragen.“

Prof. Dr. Thomas Hamacher (TUM) unterschied zwischen einer Welt, die lediglich existiert, und einer geschöpften Welt. Eine nicht geschöpfte Welt sei letztlich absurd, als Schöpfung jedoch ein Geschenk Gottes. Dass Gott den Menschen geschaffen habe, ermögliche diesem zugleich, die Welt zu verstehen und sie mithilfe von Naturwissenschaft und Technik verantwortungsvoll zu gestalten. Theologie dürfe sich dabei nicht auf ökologische Fragen beschränken, sondern müsse auch Technik in den Blick nehmen und deren Potenziale nutzen, damit der Mensch in der Welt gut leben kann.
In der anschließenden Diskussion wurde deutlich: Während der Urknall als Anfang einer Geschichte verstanden werden kann, ist Schöpfung ein fortdauernder Prozess, den Menschen aktiv mitgestalten. Prieto Peral betonte, dass aus theologischer Sicht Christus alles durch Liebe geschaffen habe und damit die Liebe als göttliches Grundprinzip allem Geschaffenen zugrunde liege.
Zum Abschluss verwies Prof. Dr. Hamacher auf die Schönheit der Schöpfung, die sich gerade auch in der naturwissenschaftlichen Forschung entdecken lasse. Regionalbischof Prieto Peral schloss mit dem Psalmwort „Herr, wie groß hast du alles geschaffen, wie ist die ganze Schöpfung deiner Weisheit so voll“ und griff noch einmal das Bild vom Glauben als „Stoßdämpfer gegen das eiskalte Universum“ auf.
Die Teilnehmenden zeigten sich begeistert: In einem Stimmungsbild gaben rund zwei Drittel an, dass Urknall und Schöpfung für sie gut miteinander vereinbar seien. 31 Prozent sahen darin zwei unterschiedliche Sichtweisen, während lediglich zwei Prozent beide Ansätze für unvereinbar hielten.
Die ökumenische Veranstaltung wurde per Video aufgezeichnet und ist über den YouTube-Kanal „Servus Segen“ abrufbar.